One Of These Days

Senara’s (entspannte) Meckerecke

Aufregende Neuigkeiten

Zwischenzeitlich ist so viel aufregendes passiert. Und ich meine nicht „Uh, wie aufregen und toll“ sondern wirklich: ich hab mich ziemlich aufgeregt… Es geht um die Arbeit. Ich weiß nicht warum Vollspaten immer busladeweise ankommen, aber es war mal wieder so weit. Viele alte Damen und Herren, die scheinbar (!) hilflos sind und haufenweise Mit-Vierziger, die „kaputt geschrieben“ werden wollen. Mal ehrlich: ich bin ein sehr hilfsbereiter Mensch und ich tue das gerne, ansonsten hätte ich mir bestimmt keinen sozialen Beruf ausgesucht, aber alles hat seine Grenzen. So anscheinend auch die Höflichkeit. Bitte und Danke, sind Dinge die mir unter anderem meine Omas beigebracht haben. Meine Omas sind bzw. waren in dem Alter, das auch mein Hauptpatientenstamm hat. Wenn man von dieser Generation allerdings dementsprechend Höflichkeit erwartet, dann wird man übelst enttäuscht. Nun ja, bevor ich jetzt anfange über Unhöflichkeit im Allgemeinen zu wettern, gebe ich einfach ein paar Eindrücke bzw. Situtationen aus meinem alltäglichen Berufsleben wider. Für Außenstehende mag das sogar witzig sein. Zumindest erheitert es jedes Mal meinen Freundeskreis, wenn ich anfange zu erzählen…

Fallbeispiel Eins:

Ich unterhalte mich mit einem Kollegen. Das kommt häufiger vor, da wir uns unter anderem ja auch über die Gebrechen der Patienten austauschen. In diesem Fall, ich gebe es zu, war es ein privat gefärbtes Gespräch. Mitten im Satz hören wir Patientin Frau B. brüllen: „Herr Sch. HelfenSe mir mal!!!“ Der Kollege und ich sind sprachlos, uns stehen nur die Münder offen. Eine andere Kollegin ist da schlagfertiger: „Frau B. sie sehen doch daß der sich grade unterhält!“ „Ja,“ sagt die alte Spinatwachtel. „Das is aber keine Patientin hier, oder?! Also kann der mir ja wohl auch sofort helfen.“ Nu is auch die Kollegin sprachlos.

Fallbeispiel Zwei:

Ein Patient nähert sich meiner Position, knallt mir seine Laufmappe (da sind Stundenplan und Therapieplan etc. drin) vor die Nase und guckt mich erwartungsvoll an. Ich habe mir abgewöhnt zu reagieren, denn nur sprechenden Menschen wird geholfen. Da ich nur zurück glotze sagt der Patient: „Blutdruck.“ Ich denke mir: oha, reden kann er. Vielleicht kann er dann auch das mit der Höflichkeit?!? Ich bin neugierig, also teste ich das direkt aus und antworte: „Super, das mit dem Ansprechen haben sie schon gelernt. Geht das auch in einem ganzen Satz?!“ Ja, das habe ich wirklich gewagt. Böses Ich, wie kann ich nur?? Und genau DAS steht dem Patienten auch ins Gesicht geschrieben. Er denkt ein paar Minuten vor sich hin und wiederholt: „Würden Sie mir bitte den Blutdruck messen?“ Mir fällt die Kinnlade runter. Hat der gerade wirklich „Bitte“ gesagt?! Jedenfalls hab ich ihm dann den Blutdruck gemessen und mich bedankt, daß er das böse Wort mit B sogar in den Satz eingebaut hat. Daraufhin hat er 2 Tage geschmollt, aber vor kurzem hatten wir nochmal ein klärendes Gespräch darüber, weil er beobachtet hat, wie sich manch andere Patienten den Therapeuten gegenüber verhalten. Er könnte jetzt verstehen warum ich „pampig“ geworden bin. Naja, man kann ja nicht alles haben 😀

Fallbeispiel Drei:

Ich behandle einen Patienten der nach Aussage des Arztes, was soviel heißt wie nach eigener Aussage, ein Impingement-Syndrom an der Schulter hat. Für Nicht-Mediziner: das ist ein Engpaß in der Schulter, der bei Bewegungen, die den Durchgang noch schmälern sehr starke Schmerzen verursacht. Unter anderem gehört dazu das Heben der Arme über 90°. Nachdem wir mit der Elektrotherapie an der Schulter durch sind, bekommt er noch eine Fangopackung. Er legt sich also hin. Mit hinter dem Kopf verschränkten Armen. Äh… ja… keine weiteren Fragen euer Ehren.

Fallbeispiel Vier:

Eine Patientin spricht mich an und fragt mich welche Therapie denn als nächstes käme. Dabei hat sie ihren Stundenplan bereits aufgeschlagen und den richtigen Tag gefunden. Immerhin. Ich erkläre ihr dann, wie sie einfach in der Uhrzeitspalte die richtige Zeit findet und dann weiter rechts, beim richtigen Tag die richtige Therapie. Die Frau ist schon seit einiger Zeit bei uns. Sie weiß also, daß man hin und wieder lesen muß und auch was und wo die Ergotherapie ist. Um zu testen, ob sie mich verstanden hat, bitte ich sie mir zu sagen, was denn nach der Ergotherapie ansteht. Sie guckt mich an und sagt vorwurfsvoll: „Das weiß ich doch nicht. Ich hab meine Lesebrille nicht bei!“ Ich schlage ihr vor selbige dann einfach für den nächsten Tag mitzubringen und ernte einen weiteren vorwurfsvollen Blick. „Wenn ich die auf hab, dann kann ich doch gar nicht mehr weit gucken. Ist doch eine LESEbrille!“ Oh… ja… wie blöd von mir. Hätte ich mir doch denken können. Einen Moment lang überlege ich mir, ihr vorzuführen wie man eine Brille auf- und auch wieder ab setzen kann. Stattdessen weise ich sie darauf hin, daß sie den Therapietag auch noch unterschreiben müßte. „Nein,“ sagt sie. „Ich hab hier noch nie was unterschrieben.“ Ich schau mir die Mappe an und sehe auf anhieb 2 Unterschriften. Und zeige diese auch. „Nein,“ sagt sie wieder. „Das ist nicht meine Schrift!“ Ahhhhhja….

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